
Ein Bildungsanbieter, sechs Wochen bis eine neue Prüfungsordnung greift, vierhundert betroffene Inhalte. Jemand sagt: Kein Problem, dafür bauen wir einen KI-Agenten. Im Raum macht sich Erleichterung breit – obwohl noch niemand so recht weiß, welche der 400 Dateien überhaupt die gültigen sind. Ich nehme mir in dieser Solo-Folge den Reflex vor, bei sehr unterschiedlichen Problemen zuerst an KI zu denken. Ich erkläre, welche vier Denkverzerrungen dabei mitlaufen – und warum KI oft nur sichtbar macht, was vorher schon unaufgeräumt war. Ein Bild zieht sich durch die Folge: KI als Licht auf dem digitalen Dachboden. Das Licht zeigt die doppelten Versionen und vergessenen Ordner – aufgeräumt hat damit noch niemand.
Viele Verlage und Bildungsanbieter sitzen auf einem großen Schatz an PDF-Inhalten. Wer daraus jedoch ein RAG-System aufbauen möchte, steht vor einer Herausforderung, die häufig unterschätzt wird: PDFs sind für KI nicht automatisch nutzbar.
Gemeinsam mit Elena Montero habe ich darüber gesprochen, warum der eigentliche Engpass oft schon vor der KI beginnt – nämlich bei der Konvertierung in strukturierte Formate wie XML oder Markdown.
Wer je ein Projekt von Grund auf entwickelt hat – Konzept, Autorenakquise, erstes Manuskript – und dann selbst lektorieren sollte, kennt das Gefühl. Das Baby liegt auf dem Tisch. Der eigentliche Job wartet. Beides geht nicht gleichzeitig gut.
Bei DIN Media haben sie das erkannt und getrennt, was in vielen Fachverlagen noch zusammengehört: Produktmanagement auf der einen Seite, Content Management auf der anderen. Jessica Gutsche, Head of Content, hat diesen Prozess von innen erlebt und mitgestaltet – und erzählt, wie das wirklich gelaufen ist.
XML gibt es seit den späten Neunzigern – erfunden, damit derselbe Inhalt als Buch, E-Book, Plattform und Vorlesefassung funktioniert, ohne dass jemand ihn vier Mal anfasst.
Heute stellt sich heraus: Genau diese Vorarbeit ist auch das, was KI-Systeme brauchen, um zuverlässig mit Verlagsinhalten arbeiten zu können.
In dieser Folge erkläre ich, was XML eigentlich ist, was semantische Auszeichnung, Schemaprüfung und Metadaten damit zu tun haben – und warum eine KI, die nur Schriftgröße und Position sieht, raten muss, während eine KI auf sauber ausgezeichneten Daten das nicht muss.
Carsten Schwab hat als Buchhändler angefangen, dann Verlagswirtschaft in Stuttgart studiert und früh verstanden, dass Inhalte eine Struktur brauchen – bevor sie ein Produkt werden können. Bei S. Fischer hat er das mit dem XML-First-Workflow umgesetzt. Zur Buchmesse 2009 kamen die ersten direkt aus XML generierten ePubs auf den Markt. Im Gespräch geht es darum, was seitdem passiert ist – und warum die Verlage, die damals diese Entscheidung getroffen haben, heute bei KI-Projekten einen echten Vorsprung haben. Carsten erklärt, wie RAG-Systeme funktionieren, warum kuratierte Verlagsinhalte genau der Rohstoff sind, den solche Systeme brauchen, und welche Frage er in jedem Gespräch zuerst stellt: Welches Problem eurer Kunden wollt ihr damit lösen?
Vier von fünf Führungskräften haben keine KI-Strategie – aber 65 Prozent der Mitarbeitenden sind längst bereit. Katja Nettesheim, Strategieberaterin mit fast 20 Jahren Transformationserfahrung, erklärt, warum das kein Technologieproblem ist – und warum die Zeit des unschuldigen Ausprobierens vorbei ist.
