Mehr über mich

Für mich stellte sich schon immer die Frage: Wer bin ich und wenn ja, wieviele. Denn ich bin Viele – vor allem beruflich.

Mit 18 Jahren stand ich vor dem Problem, das viele Jugendliche quälte und noch heute quält: Was tun mit der neuen Freiheit? Das Abitur in der Tasche war ich überfordert, eine Entscheidung zu treffen – schwankte zwischen Bodenständigkeit, Ratlosigkeit und dem, was man so gemeinhin als „gute Entscheidung“ ansieht. Als erste in der Familie, die die Möglichkeit hatte, zu studieren, beschränkten sich meine Ideen auf das, was Svenja Hofert treffend auf den Punkt bringt: „Am besten wirst Du Arzt.“ Und wie sangen „die Ärzte“ so schön: „Du hast Dich doch früher so für Tiere interessiert.“ 

Universaldilettant Tierarzt

Also studierte ich Tiermedizin. Ein Studium, das kein Zuckerschlecken war und doch im Nachhinein eine der besten Zeiten meines beruflichen Lebens. Nach 11 Semestern Regelstudienzeit und über 20 mündlichen Prüfungen stand ich jedoch wieder vor dem Dilemma: Was nun?

Während es meine Kommilitoninnen und (wenigen) Kommilitonen kaum erwarten konnten, in die Praxis einzusteigen, kamen in mir schon während der letzten Semester Zweifel, ob es wirklich mein Traum ist, in zugigen Nächten im Kuhstall zu stehen oder übermüdet 48-Stunden-Dienste in einer Kleintierklinik zu absolvieren, ohne in der Lage zu sein, meinen Lebensunterhalt selbst bestreiten zu können – mit 2000 Euro brutto Einstiegsgehalt, wie es damals der bpt empfahl. Die Lösung: erstmal Zeit gewinnen und promovieren. 

Mein Ausflug in die Molekulargenetik 

Für mich stand fest: Wenn promovieren, dann hauptberuflich. Eine „nebenberufliche Promotion“, also in der Tierarztpraxis arbeiten und „nebenher“ die eigene Doktorarbeit zu schreiben, schien mir nicht reizvoll. Zumal die Praxis zeigte: Die wenigen freien Minuten nutzt man für Vieles – aber nicht, um „mal eben“ seine Dissertation zu schreiben. 

Also entschied ich mich für ein Angebot, das ich nicht abschlagen konnte: Eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Tierzucht und Haustiergenetik. Mein erstes selbstverdientes Geld. Und ein Promotionsthema, das ich vorher niemals auf dem Schirm gehabt hätte: genetische Vielfalt von europäischen Schafrassen. Auch hier spielte der Zufall mir in die Karten, denn während dieser Zeit habe ich viel gelernt – nicht nur fachlich. Zum Beispiel, dass sich Forschung und Forschende in Europa sehr stark voneinander unterscheiden: Wer einmal mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus ganz Europa auf Augenhöhe (!) diskutiert hat, weiß, was ich meine.

Aber ich habe auch gelernt, dass die universitäre Laufbahn gut überlegt sein sollte. Denn die Bedingungen waren – und sind noch heute – alles andere als gut: 15 befristete Verträge habe ich in der Zeit gesammelt – mal für 3 Monate, mal für 6. Mal über eine Viertelstelle, mal über eine ganze. Verrückt, wenn man bedenkt, dass es sich hier um diejenigen handelt, die Forschung und Bildung in Deutschland hoch halten sollen. Und nach 12 Jahren Befristung ist dann Schluss: Der Fachidiot landet auf der Straße – trotz bester Eignung.

Das schien mir absurd. Deshalb entschied ich nach meiner Promotion doch noch einmal „in die echte Welt“ hinauszugehen. Doch wieder stellte sich mir die Frage: Wo soll ich hin? Oder anders: Wer bin ich? Und wenn ja, wieviele?

Als Volontär in Benztown 

Wer eine Anstellung an der Uni hat, der muss in der Regel auch Vorlesungen und Seminare übernehmen. Für mich war das keine Strafe, denn es machte mir viel Spaß: Komplexes Wissen einfach verpacken – und zwar so, dass es bei den Studierenden hängen bleibt. Deshalb überlegte ich, wie ich meine Begeisterung für die Wissensvermittlung weiter vertiefen konnte.

Vielleicht ein wenig abwegig, aber mir schien ein Verlag die Lösung zu sein. Deshalb bewarb ich mich auf ein Volontariat bei den Medizinverlagen Stuttgart, die heute zum Georg Thieme Verlag gehören. Und ich hatte Glück: Wenige Monate später begann ich in Stuttgart meine Ausbildung als Projektmanagerin im Buch- und Zeitschriftenverlag. Dort lernte ich, welchen Weg ein Buch hinter sich hat, bis es bei Lehmanns im Regal steht, betreute eine Vielzahl von Autorinnen und Autoren und bekam nach dem Volontariat die Chance zuerst als Projektmanagerin und dann als Programmplanerin Verantwortung für ein ganzes Segment, die ganzheitliche Tiermedizin im Sonntag Verlag, zu übernehmen. In dieser Zeit habe ich auch gelernt, was es bedeutet, von einer Vorgesetzten wirklich geführt und gefördert zu werden. Keine Selbstverständlichkeit.

Berufsbegleitend Studieren: Masterstudium Bildung und Medien

Auch wenn die Medizinverlage Stuttgart schon 2006 große Schritte in Richtung Digitalisierung gegangen waren, so beschlich mich doch das Gefühl, dass das Thema „Online“ eine immer größere Bedeutung bekommen würde. Deshalb entschied ich für mich, berufsbegleitend ein Masterstudium zu absolvieren: Educational Media an der Universität Duisburg-Essen.

Rund 10 000 Euro habe ich dafür aus eigener Tasche gezahlt – die beste Investition, die ich für mich und mein (Berufs-)Leben getätigt habe. Denn hier habe ich den Grundstein für das gelegt, was mich heute ausmacht: digitale Neugier und Freude daran, Neues auszuprobieren. Während des Studiums entstand mein erster Blog, ich meldete mich bei Twitter und Facebook an, erstellte eigene Communities. Die gesamte Kommunikation mit den Dozierenden und Mitstudierenden fand online über virtuelle Klassenzimmer, Gruppenchats und Skype statt. Google Docs war unser täglicher Begleiter, damit wir uns organisieren konnten. Es war eine tolle Zeit. Aufbruchstimmung machte sich breit.